Die Geschichte der

Schützenbruderschaft vom
 
Hl. Antonius Eremyt 

1430




Niederkrüchten

von unserem Schützenbruder Manfred A. Jülicher
verfaßt aus Anlaß der 550-Jahrfeier 1980
hier mit Bild- und Textdokumenten illustriert von Willy Randerath jun.

 

Die Gründung der Schützenbruderschaft

1430 und die Folgezeit

Bruderschaften waren ursprünglich rein kirchliche Organisationen und schon im 4. Jahrhundert bekannt. Sie waren Vereinigungen, welche sich zu besonderer Frömmigkeit und zu guten Werken verpflichteten.

   Zu besonderer Blüte gelangte das Bruderschaftswesen in der Gotik, in der die Bruderschaften die Namen großer Heiligengestalten wie die des hl. Antonius Eremit 1) tragen. Diese Art von Bruderschaften blieb bis in unsere Zeit in mehr oder weniger stark veränderten Organisationstypen erhalten. Darüber hinaus bildeten sich im 14. und 15. Jahrhundert Schützengilden, die zunächst mit den rein kirchlichen Bruderschaften nichts gemein hatten. Sie entstanden ursprünglich in Städten, die intensiven Handel trieben und ein besonderes Interesse daran hatten, ihre durch das Raubrittertum gefährdeten Kaufleute zu schützen. Aus der Mitte der Bürgerschaft erwuchsen Gilden, welche schließlich ihre Heimatstadt vor den Raubüberfällen der Ritter bewahrten und in zahlreichen Fehden zur Verteidigung auszogen. Ihre gefährlichste Waffe war die den Rittern überaus verhaßte Armbrust, die dem klassischen Kampfe von Schwert, Speer und Schild strategisch ein Ende setzte.

   Für unsere Heimat kann als besonderer Förderer der Schützengilden Johann l. von Heinsberg erwähnt werden, der auch dafür sorgte, daß sich überall in seinem Lande derartige Zusammenschlüsse wehrfähiger Männer bildeten. Sie wurden zumeist für die Verteidigung des Heimatortes eingesetzt.

   Der Schutz der Kirchen und Klöster war den Ministerialien, den Vögten, aufgetragen. Dadurch bedingt begründeten sich kirchliche Bruderschaften als Kombination von Gilde und liturgischer Bruderschaft. Letzteren wurde ein ausgedehnterer, ihre Sitten vielfach veredelnder Wirkungskreis verliehen. Bisher waren die Grundgesetze gewesen: Verteidigung der Stadt, Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit, Abhalten von Schießfesten, teils zur Waffenübung, teils zur Belustigung. Jetzt wurden zwei neue, wahrhaft christliche hinzugefügt, nämlich: Verherrlichung der christlichen Religion und des Gottesdienstes, Unterstützung der bedürftigen Mitglieder des Vereins und der Armen überhaupt.2)

   Auf die frühe Gründung der Schützenbruderschaft vom hl. Antonius Eremyt weist zum einen der Name des hl. Antonius und zum anderen die alte Chronik der Schützenbruderschaft aus dem 17. Jahrhundert, die 1430 als Gründungsjahr nennt.

   Als die Schützenbruderschaft vom hl. Antonius Eremyt 1430 gegründet wurde, existierte z. B. die Niederkrüchtener Pfarrkirche bereits über 200 Jahre.3) Sie gehörte von Anfang an zum Dekanat Wassenberg und wurde durch die Bulle Papst Paul IV. 1559 mit dem Gelderland, das auf beiden Seiten der unteren Maas lag, dem Bistum Roermond unterstellt.

Schützenfest 1929
König Heinrich Mühlenbroich mit seinen Ministern Mathias Hommen (l) und Leo Clemens nebst Gefolge an der Ecke Hindenburg- und Hauptstraße (heute Hoch- und Mittelstraße)

   Vergleichende Berichte aus dieser Zeit aus dem Dekanat Wassenberg berichten um 1450, daß Kirchtürme befestigt, Landwehren aufgeführt und Friedhöfe in den Verteidigungszustand versetzt wurden. Die Sturmglocke rief vom Turme der Kirchen bei der Annäherung einer Gefahr die Schützen rasch zusammen. Wer nicht sofort erschien, mußte mit härtester Bestrafung rechnen. Um 1500 hatten sich an allen Pfarrorten des Wassenberger Raumes Schützenbruderschaften in dieser Weise gebildet. Daß daneben auch eifrig der Brauch des Vogelschießens gepflegt wurde, enthält eine Denkschrift, in der sich das Heinsberger Stiftskapitel 1533 beklagt, daß der dem Heinsberger Stift gehörende Rurkempener Pfarrhof 1532 ausbrannte, weil in seiner Nähe der Schützenvogel aufgestellt und beschossen worden sei. Daraus geht her- vor, daß bereits um diese Zeit der Vogelschuß in unserer Heimat durchaus nichts Neues war, ja sogar mit Feuerwaffen ausgeführt wurde.4)

1) Antonius der Heilige der Entsagung, lebte als Eremit von 251-356 in Ägypten. Siehe: Meyers
Enzyklopädisches Lexikon, Bd. 2, Mannheim 1971, S. 357, und: Fülöp-Miller Rene, Die die Weltbewegten, New York 1951
2) Inhaltlich zitiert nach: Ann. d. hist. Vereins f. d. linken Niederrh. Bd. 28/29 S. 117 f
3) Jülicher Manfred A., Die Geschichte der Herren von Brempt, Niederkrüchten 1973, Seite 9.2ff
4) Mayer Franz, in: Die Heimat 1925, Seite 35

 

Die Schützenbruderschaft im 

17. Jahrhundert

  Präses Johann Sorius hatte die Niederkrüchtener Pfarrstelle von 1595 bis 1626 inne. Mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges folgte ihm Johann Verseveld bis 1665. Die in der Barockzeit neu eingerichtete St.-Bartholomäus-Kirche zeigt heute noch deutlich, daß den plündernden und brandschatzenden Söldnern während des 30jährigen Krieges, in dem Mord, Brandschatzung und Diebstahl das gewohnte tägliche Bild darstellten, nichts heilig war. Auch die Schützenbruderschaften standen denplündernden Heeren machtlos gegenüber. Dennoch ist aus dieser Zeit ein schriftlicher Beleg über eine von Peter Koenen gestiftete Königsplatte vorhanden, die Peter Koenen auch als den 1. Schützenkönig der St.-Antonius-Bruderschaft Niederkrüchten belegt. 5) über die Folgezeit des Präses Michael Cuypers [1666 bis 1684) liegen exaktere Unterlagen vor, da Pastor Weeger 1913 ein von Michael Cuypers verfaßtesTagebuch auszugsweise veröffentlichte, 6) in dem z. B. genaue Angaben über den Verlauf der Fronleichnamsprozession in Niederkrüchten enthalten sind.

5) Siehe Anlage 1
6) Weeger Edmund, Geschichte der Pfarrei Niederkrüchten im Dekanat Erkelenz, Kempen 1913, Seite 29

 

Die Schützenbruderschaft zu Beginn des

18. Jahrhunderts

  Die Zeit des ausgehenden 17. Jahrhunderts und des beginnenden 18. Jahrhunderts liegt für das Niederkrüchtener Bruderschaftsleben völlig im Dunkeln. Zwar ist bekannt, daß unter Präses Leonhard Loverix (1685 bis 1716) die Johannes-Kapelle 7) op den Veldt 1694 und die Luzia-Kapelle 7) in Laar 1708 erbaut wurden, jedoch liegen keinerlei Auskünfte über die Bedeutung z. B. dieser Kapellen für die Prozessionen bzw. die Schützenbruderschaften vor. Bezeichnend ist auch, daß während des spani-schen Erbfolgekrieges (1701 bis 1713) nur 1707 und 1708 die Prunkfeierlichkeiten mit Vogelschuß durchgeführt wurden. Obwohl aus der Zeit des Präses Loverix zur Renovierung der Kirche und zur neuen Ausgestaltung der Kirche mit neuem Mobilar (nach dem 30jährigen Krieg) interessante Unterlagen vorliegen, gibt es keine Angaben über die Schützenbruderschaften aus dieser Zeit.



Auszug aus einem Statut  "Cruchten den 18. Mai 1750" aus dem Archiv der Bruderschaft

   Erst 1718 wird das Bruderschaftsleben unter Präses Johann Ackers (1717 bis 1720) fortgesetzt, als der Spanische Erbfolgekrieg endgültig beendet war. Noch heute zeugt das ?Spansch Hüske" als altes Zollhaus an der Pannenmühle von der Zeit, als Niederkrüchten zu den spanischen Niederlanden gehörte.

7) Jülicher Manfred A., Niederkrüchten in alten Ansichten, Zaitbommel 1977, Seiten 33, 36f, 78

 

Das ausgehende 18. Jahrhundert

  Durch das Aufkommen der Feuerwaffen sank die Bedeutung der Bruderschaften. Schützenfeste und Vogelschießen blieben letzte Erinnerung an Geschicklichkeit mit der Waffe. Durch den jungen Erzbischof und Kurfürsten Clemens August l. von Köln (1723 bis 1761) erhielten die vielfach stark zurückgehenden Bruderschaften neuen Aufschwung. Der 23jährige Oberhirte mischte sich unter das Volk und nahm sehr oft selbst am Vogelschießen teil. Sein Beispiel spornte auch die höhere Beamtenschaft an, die das Bruderschaftswesen stark förderte.

   Aus dieser Zeit liegen auch für Niederkrüchten die ältesten Unterlagen vor. 8) Wenn von 1742 bis 1749 unter Präses Reiner Deckers (1726 bis 1763) im Verzeichnis der Schützenkönige 5) keine Vertreter aufgeführt sind, dann dürfte der Grund dafür u. a. in den Kriegswirren des österreichischen Erbfolgekrieges liegen, der besonders auch die Gegend von Niederkrüchten heimsuchte. Seit 1749 sind die Schützenkönige in unmittelbarer Folge in der Chronik der St.-Antonius-Schützenbruderschaft aufgeführt.8)

   Vom 18. Mai 1750 liegt die Abschrift einer Satzung von 1745 vor, 9) die mit verschie- denen Änderungen und Ergänzungen in 17 Paragraphen das Bruderschaftsleben regelt. Die Handschrift ist von 15 Mitgliedern unterzeichnet, soweit sie des Schreibens kundig waren.8)


König 1930: Leonhard Wolters mit seinen Ministern Josef Krantz und Johann Wilms nebst Gefolge

   Auch in der Folgezeit unter Präses Johannes Jansen (1764 bis 1794) wurde das Bruderschaftsleben sehr aktiv betrieben. Von 1767 liegt ein Inventarverzeichnis8) vor, das 1 Trommel, 1 Fahne mit Abbild des hl. Antonius Eremyt und der Aufschrift: ?Confraternitus St. Antonius zu Niederkrüchten" als Eigentum der Schützenbruderschaft belegt. Im gleichen Jahr wurde von der St.-Antonius-Bruderschaft eine neue Fahne nach dem Vorbild der alten geweiht.

   Auf einer Mitgliederversammlung vom 4. Juni 1770 wurde eine erneute Änderung und Erweiterung der bestehenden Satzung beschlossen, nachdem die alte Satzung von 1750 am 26. Mai 1769 überarbeitet worden war. Eine Übersetzung dieser Satzung verdanken wir Josef Jansen (Dam).10)

   1778 wurde unter König Johannes Breuwers erneut eine Fahne geweiht.

   Seit dem 18. Jahrhundert wurde das Schützensilber, das von 1664 an vorlag, jährlich auf einer eigens dazu bestimmten Versammlung geprüft. Wörtlich hieß es dann z. B.: ?Heute, den 24. Mai 1781, ist in Anwesenheit der Kommissare unserer Bruderschaft St. Antonius hier zu Niederkrüchten namens der Herren Secretär A. G. van Mulbracht, Michiel Coenen, Joes Petrus Schiehsers und l. A. Roosen, Vorsitzender, von dem Kapitän der vorgenannten Bruderschaft Hubertus Windhuysen und dem Fähnrich Joannes Tyssen das Silber gewogen und für 2 Pfund 26V4 Loot schwer befunden worden. Das vorgenannte Silber besteht aus einer silbernen Kette, silbernem Vogel und 33 silbernen Schilden bzw. Platten, welche gezeichnet sind mit Datum und eingraviert die Namen wie folgt: (es folgen die Namen der Schützenkönige bis 1781).5)

   Die älteste noch vorhandene Mitgliederliste 8) der St.-Antonius-Bruderschaft Niederkrüchten datiert vom 24. Mai 1781. Hier sind 105 Mitglieder namentlich aufgeführt. Die Liste ist als Anhang an ein Rechnungs- und Sitzungsprotokoll beigefügt.11) Vom 4. Juni 1781 bis 1804 werden jährlich die neuen Mitglieder eingetragen und die verstorbenen und ausgetretenen Mitglieder gestrichen. 1804 werden dann erneut alle Mitglieder aufgeführt, da die Liste von 1781 aufgrund der zahlreichen Streichungen unbrauchbar geworden war. 1824 liegt eine Liste mit Vornamen, Familiennnamen und Herkunft der 127 registrierten Mitglieder aus den verschiedenen Niederkrüchtener Kerspels vor. 12)


Auszug aus dem Protokollbuch der Bruderschaft 24 Mai 1781

   1844 hat die Schützenbruderschaft vom hl. Antonius Eremyt Niederkrüchten 254 Mitglieder aus Birth, Boscherhausen, Brempt, Brokerhusen, Dam, Gützenrath, Niederkrüchten, Pannenmühle, Radervekes, Rieth, Silverbeek, Varbrook und Veldt. Laarer und Heyener Mitglieder sind keine genannt, da Laar 1830 eine eigene Bruderschaft gegründet hatte. Seit 1885 liegen die Mitgliederlisten i.g.G. lückenlos vor.

   1788 scheint das Bruderschaftsleben bis zum Ende der Napoleonischen Zeit völlig unterbrochen, da der französische Kaiser auch die Niederkrüchtener Ortschaft völlig dem neuen Reglement unterzog.

8) Archiv der St.-Antonius-Bruderschaft vom Eremyt, Niederkrüchten, 1430 eV. Handschriften als Protokollbücher im Besitze des jeweiligen Vorsitzenden (derzeitiger Vorsitzender: Willy Randerath. Marktstraße)
9) Siehe Anlage Nr. 2
10) Siehe Anlage Nr. 31
11) Siehe Anlage Nr. 04
12) Archivunterlagen in Verwahrung: Willy Randerath

 

Die St.-Antonius-Bruderschaft 

unter Präses

Johann Theodor Herbrordt

 

   Mit dem Dienstantritt von Präses Johann Theodor Herbrordt (1796 bis 1813) machten sich die Franzosen mit ihren Neuerungen, Verboten und französischen Gesetzen auch im Niederkrüchtener Bruderschaftsleben unlieb bemerkbar. Bereits unmittelbar nach seinem Amtsantritt mußte Präses Herbrordt per Dekret bis zu einem bestimmten Termin den ?Eid des Königshasses, der Treue gegen die Republik und des Gehorsams gegen die .Constitution des Klerus? leisten". Als Herbrordt diesen Eid verweigerte, wurde ihm die Vornahme aller priesterlichen Funktionen untersagt.6) In der Voraussicht weiterer Schritte der französischen Regierung floh der Präses der St.-Antonius-Bruderschaft ins nahe jülichsche Gebiet und hielt in einer Scheune auf dem Lousberg (Lüttelforst) den Gottesdienst.13) Während seiner Abwesenheit kam das Bruderschaftsleben zwangsweise zum Erliegen. Von 1788?1804 wurden in der Folge weder Aufzüge veranstaltet noch der Vogelschuß durchgeführt. 5) Wie hart die Eingriffe der Franzosen in die innere Verwaltung und das Vereinsleben in Niederkrüchten war, geht aus einem Gemeindeprotokoll hervor, das Auskunft über den Verbleib des alten Schützensilbers gibt. 14) ?Op het advies van differente Inwooners der gemeentens van Cruchten .. . van dat in den Jaere 1795... aen de Magistraet van Ruremonde . . . Sijn overgelevert worden van de gemeente van Nedercruchten Soogenoemde Silverwercken gedient habbende tot cierad van de Schutterijen Soo in die gemeente bestaen hebben tot Seekere recreatie der Inwoonders hier .. . Sulx om te dienen tot een don Gratuit tot ondersteuninge der vorlogskosten Soo den daenmaligen Kaijser van alle gemeentens vraegde; Considereerende dat dese objekten tot Sijn bestemde Voorwerp niet Sijn gekomen en dat het vervolgens aengelegen is de Selve ten paedigsten te reclameeren." Da man nicht sicher war, ob das Schützensilber zur Bezahlung der kaiserlichen Kriegsschulden gedient hatte oder nicht, wurde seitens der Gemeinde beschlossen, den Verwalter des Cantons Niederkrüchten, den Bürger Gatzen, und den Niederkrüchtener Friedensrichter, A. G. van Mulbracht, wegen der eventuell noch vorhandenen Silberplatten in Roermond vorsprechen zu lassen, was jedoch ohne Erfolg blieb.15)


Historisches Schützensilber im Rijksmuseum Amsterdam fotografiert von Willy Randerath jun.

 

   Am 25. Mai 1800 kehrte Präses Herbrordt wieder in die Pfarre Niederkrüchten zurück. 1804, 1805 und 1806 fand dann erstmals auch wieder der Vogelschuß statt. Aus dieser Zeit stammen die heute noch vorhandenen ältesten Silberplatten der St.-Antonius-Bruderschaft Niederkrüchten.

 

13) Die Scheune ist heute noch vorhanden
14) HSD, Depositum Niederkrüchten, Akten Nr. 5, Gemeindeprotokoll von 1796 Nr 72
15) Nachforschungen im Archiv des Bistums Roermond, dem städtischen Archiv Roermond und dem Rjksmuseum Amsterdam nach dem eventuell noch vorhandenen Schützensilber von 1664 blieben erfolglos

 

Die auslaufende napoleonische Zeit

   Nach 1806 löste sich das Bruderschaftswesen in Niederkrüchten fast auf. Von 1806 bis 1819 wurde lediglich noch einmal, 1811, der Vogelschuß unter großen Schwierigkeiten durchgeführt.5) Für das Ableben des Bruderschaftsgedankens dürften sowohl die auslaufende Napoleonische Zeit, der Wiener Kongreß und die allgemeine kommunale Neuordnung gerade auch unserer Niederkrüchtener Gegend verantwortlich sein wie auch das Wirken und die Person des damaligen Pfarrstelleninhabers Phillip Leonhard Merken (1813 bis 1818) (1829), der ? wie Weeger uns überliefert 6) ? ?als Ordensmann eifrig im Weinberge des Herrn arbeitete", jedoch am 7. September 1818 resignierte und von der Kanzel bekanntgab, ?daß ihm von der geistlichen Obrigkeit das Unterrichten und Predigen in der brabändischen Sprache untersagt sei, Deutsch könne er nicht".

   Aus der Zeit von 1818 bis 1829 liegen keinerlei Unterlagen vor, wer die damalige Pfarrstelle zu Niederkrüchten besetzte. Erstaunlich, daß gerade während dieser Zeit das Bruderschaftsleben wieder aufblühte. Nach dem Ausscheiden des Pastors Merken aus der Pfarrstelle, wurde der Vogelschuß seit 1819 wieder regelmäßig durchgeführt. Bis 1928 liegen dann lückenlos alle Unterlagen über Prunkfeierlichkeiten und Vogelschuß vor. Als Heinrich Lütters 1825 und 1826 Schützenkönig wurde, stiftete er statt einer Silberplatte den heute noch vorhandenen Vogel samt Kette. Von Präses, Pfarrer Johann Mathias Siemes (1829 bis 1866), ging dann eine erneute Blüte des Bruderschaftslebens aus. Mit peinlicher Gewissenhaftigkeit hielt er an alten traditionellen Bräuchen, Dienstordnungen und Pflichten fest. Bis in seine letzten Lebenstage übte er alle pfarramtlichen Funktionen selbst aus.

   Am 4. Juli 1830 wurde erneut das Silber in Gegenwart der Kommissare Wilhelm Poolen, Peter Geraerts und Peter T. Schmeets (Vorsitzender), dem König Lütters Heinrich, dem Kapitän Hermann Louven und Arnold Willems gewogen. Es wog 1 Pfund und 19 Loot ohne die Platte des Kapitäns. Das Schützensilber bestand aus einer Kette, einem Vogel, 13 silbernen Schilden und einer Platte des Kapitäns. (Es handelte sich um die Platten Nr. 41 bis 58.) 5) Die Platten von 1664 bis 1788 waren in der Napoleonischen Zeit konfisziert worden. Nunmehr fehlen jedoch auch die Platten von 1789 bis 1803, ohne daß es hierfür eine Begründung gibt.

   Am 9. Mai 1850 erhielt die St.-Antonius-Bruderschaft eine neue Satzung, die von allen anwesenden Schützenbrüdern eigenhändig unterzeichnet wurde. 16) 1853 kaufte die St.-Antonius-Bruderschaft bei dem Maler Vent in Aachen eine neue Fahne nach dem Muster der alten.


Namensregister (Deckblatt) der Mitglieder 1864

    1863 wurde eine Änderung der Statuten beschlossen und die ?Brüder der Gesellschaft", Jakob Gerhards, Mathias van Oost, Mathias Welters, Gerhard Houben, Peter Gerhards, Jakob Huegen, Alexander Bocken, Aloys Kehrbusch und Heinrich Blees beauftragt, neue Statuten zu entwerfen. Nach der dann neu erstellten Satzung war z. B. der Schützenkönig nicht mehr verpflichtet, eine Silberplatte zu stiften. 17)

16) Archivunterlagen in Verwahrung: Willy Randerath
17) Siehe Anlage Nr. 06

 

Die St.-Antonius-Bruderschaft

unter Präses

Dr. Wilhelm Lindemann

   Präses Dr. Wilhelm Lindemann (1866 bis 1879) war wohl der berühmteste Vertreter der Niederkrüchtener Bruderschaft. Neben zahlreichen Veröffentlichungen widmete sich Lindemann auch lokalhistorischen Studien und veröffentlichte von Niederkrüchten: ?Ein Stück Pfarrleben aus dem 17. Jahrhundert". 18) Hierbei setzt er sich zum Schluß seiner ausführlichen Darlegung mit den Beschlüssen der Dekanatskonferenz der Diözese Roermond auseinander, nach denen es dem Pastor von Niederkrüchten untersagt war, beim Schützenfest den Vogel abzuschießen oder Gaststätten zu besuchen.19)

 
Antreten an der Kirche mit dem ersten Schützenkönig nach dem 2. Weltkrieg 1949.
Königsadjutant Willy Randerat sen. mit König Gustav Gotzen mit den Ministern Hubert Underberg und Konrad Wilms. Zwischen Minister und König Kaplan Purschke. 
Im Vordergrund Karl Rick.

1878 schaffte die St.-Antonius-Bruderschaft eine neue Fahne an. Im Protokollbuch heißt es wörtlich: ?Nach vielseitiger Umschau der Brudermeister nach einem tüchtigen Fahnenmaler wurde die Ausfertigung dem Maler Reiners in Lobberich übertragen, der dieselbe im Frühjahr 1879 ablieferte. Der Herr Reiners hat sich nicht nur durch seine schöne Malerei, sondern auch durch den zur Fahne verwendeten Stoff allseitige Zufriedenheit und Anerkennung erworben. Da der Präses Dr. Lindemann ausdrücklich wünschte, daß die Schützenbrüder die Fronleichnamsprozession begleiten möchten, so wurde die Fahne von ihm sonntags, den 4. Mai 1879, mit großer Feierlichkeit in der Kirche geweiht und nach der Weihe mit Instrumentalmusik eine feierliche Prozession veranstaltet. Am Abend desselben Tages fand ein schönes Konzert statt, ausgeführt von einer zwölf Mann starken Kapelle. 20) Kurz darauf, am 20. Dezember 1879, verstarb Präses Dr. Wilhelm Lindemann.

18) Lindemann Wilhelm, Ein Stück Pfarrleben aus dem 17. Jahrhundert, in: Annalen des historischen Vereins für den linken Niederrhein, Nr. 23, 1973, Seite 234?247
19) Jülicher Manfred A., Dr. Wilhelm Lindemann (1828?1879) in: Sonderdruck Heimatbuch Viersen 1978, Seiten 111?121
20) Protokollbuch der St.-Antonius-Schützenbruderschaft von 1878

 

Die Hl. Antonius-Schützenbruderschaft um 1900

   Unmittelbar nach dem Amtsantritt von Präses Michael Dernen (1879 bis 1900) wurde von der Bruderschaft ein Inventarverzeichnis angelegt, das in 29 Einzelposten vom Degen bis zur Fahnenstange, von der Silberkette bis zum Futteral für die Fahnenoffiziere alles an festem Inventar aufzeichnete. 21)1902 wurde ? schon unter Präses Josef Frühling (1900 bis 1903) ? eine neue Fahne bestellt, die, wie bereits 1879 bei dem Lobbericher Maler Reiners für 300 Mark in Auftrag gegeben wurde Pfarrer Frühling weihte die Fahne am 10. August 1902 nach der Messe. Er sprach den Wunsch aus, daß die Schützenbrüder mit der neuen Fahne und in vollem Staat" (d. h. schwarzer Anzug und allen Ehrenzeichen) an der folgenden Fronleichnamsprozession teilnehmen möchten.

21) Siehe Anlage Nr. 7

 

Die Hl.-Antonius-Schützenbruderschaft

unter Präses

Edmund Weeger

 

   Präses Edmund Weeger (1903 bis 1927) hat das Pfarr- und Bruderschaftsleben in Niederkrüchten weitgehend erneuert und aktiv mitgestaltet. Obwohl er mit dem Bau des heutigen Nordteils der Pfarrkirche St. Bartholomäus vollauf beschäftigt war, setzte er mit der Veröffentlichung einer gedruckten Bruderschaftssatzung am 9. August 1908 einigen ?Freiheiten" in der Bruderschaft ein Ende.22)

   Während des Weltkrieges von 1914 bis 1918 ruhte jede Tätigkeit der Bruderschaft, da bei dem Ernste der Zeit Festlichkeiten nicht angebracht waren. Zudem waren fast alle militärpflichtigen Bruderschaftsmitglieder zur Fahne einberufen.


Königsparade 1954 auf der Dr.-Lindemann-Straße.
Zu Pferd gerhard Vievers neben Königsadjutant Willy randerath sen.
Majestäten: König Leo Mertens, Minister Lorenz Schmitz und Willi Goertz nebst Ehefaruen.

   Am 10 Mai 1920 fand die 1. Generalversammlung der St.-Antonius-Bruderschaft Niederkrüchten nach dem 1. Weltkrieg statt. Mit großer Begeisterung wurde beschlossen die Prunkfeierlichkeiten im Jahre 1920 wieder in althergebrachter Weise zu feiern Einstimmig wurde für das Abhalten des Königsvogelschusses gestimmt. Der Vorstand erhielt den Auftrag, die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen.23)

   Auftrieb erhielten die Bruderschaften nach dem 1. Weltkrieg durch den Verband der Schützenbruderschaften und katholischen Schützengesellschaften in den rheinischen Landen und Westfalen, welcher unter dem Namen ?Erzbruderschaft vom heiligen Sebastianus" große Bedeutung erlangte.

 

   1921 fand ? bedingt durch die Zeitverhältnisse ? in Niederkrüchten zum 1. Mal wieder die Fronleichnamsprozession statt.24) Die Würde des Fahnenträgers errang 1921 Nikolaus Vosdellen.

 

23) Aus- Protokollbuch der St.-Antonius-Bruderschaft Niederkrüchten vom 15. Mai 1920
24) Von alters her war es Aufgabe der Niederkrüchtener Bruderschaft, die Fronleichnamsprozession zu begleiten

 

Die St.-Antonius-Bruderschaft

unter Präses

Peter Michael Hansen

 

Hatte Präses Edmund Weeger die Lasten des 1. Weltkrieges mit der Bruderschaft getragen, so mußte sein Nachfolger, Pfarrer Peter Michael Hansen (1927 bis 1951) die Bruderschaft während des noch grausameren 2. Weltkrieges führen. Er begann seine Tätigkeit mit der Erneuerung und Fortschreibung der alten Bruderschaftssatzung.25)

 

1930 wurde anläßlich des 500 jährigen Bestehens der St.-Antonius-Bruderschaft eine neue Fahne geweiht. Sie wurde für 325 Mark bei der Firma Fielen und Peters in Schier nach dem Muster der alten Fahne erstellt.

Über 100 Bruderschaften der Nachbarorte wurden zum Jubiläum eingeladen. Häuser und Straßen wurden von der Niederkrüchtener Bevölkerung festlich geschmückt. Die Prunkfeierlichkeiten selbst wurden samstags durch mehrere Böllerschüsse eröffnet. In feierlichem Hochamt weihte Präses Peter Hansen die neue Fahne. Tausende Zuschauer wohnten der Abnahme der Ehrenparade bei, an der sich 24 Bruderschaften mit 30 Fahnen beteiligten. Zur Parade trat man an der St.-Johannes-Kapelle an. Fast drei Stunden dauerte der Vorbeimarsch der Bruderschaften an den Schützenkönigen. Das Schützensilber bestand 1930 aus 14 Platten und einem Königsvogel!

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sank die Bruderschaft gegenüber SA, SS und HJ schnell zur Bedeutungslosigkeit herab. Schützengilden, welche den eigentlichen Sinn der Bruderschaftsidee verfehlten, traten an die Stelle der altehrwürdigen Bruderschaften.

 

1933 werden im Protokollbuch der St.-Antonius-Bruderschaft erstmals mehrere Ehrungen durch die St.-Sebastianus-Erzbruderschaft belegt.

Im gleichen Jahre kam es aus nicht ganz klar ersichtlichen Gründen zu einem handfesten Streit zwischen den Saalbesitzern des Ortes, in deren Sälchen von alters her die Prunkfeierlichkeiten stattfanden. Trotz Einschaltung des Erkelenzer Landrates, des Ortsgruppenleiters der NSDAP, der Drohung, ein Zelt legen zu wollen, wehrten sich die Saalbesitzer, das Sälchen wie gewohnt zur Verfügung zu stellen. Als Herr Wilhelm Hautzer von der Pannenmühle sich bereit erklärte, auf Amerner Seite die Genehmigung für das Aufstellen eines Zeltes einzuholen, verpflichteten sich alle Mitglieder der Bruderschaft, die Prunkfeierlichkeiten erstmals in einem Zelt abhalten zu wollen und die örtlichen Sälchen in Zukunft zu meiden.8)

 

Am Christi Himmelfahrtstag 1937 trafen sich die Schützenbrüder im Lokal Welters zur Generalversammlung: ?Der Vereinsführer legte die Jahresrechnung vor, welche geprüft und für richtig gefunden wurde. Darauf wurde über den Vogelschuß abgestimmt. Die Mehrheit stimmte für ja. . . Es fand sich jedoch kein Liebhaber für den selben. Der Vereinsführer bestimmte, daß derselbe von der Bruderschaft abgeschossen würde. Infolgedessen fanden keine Prunkfeierlichkeiten statt. Die Versammlung wurde dann mit einem dreifachen Sieg Heil auf unseren Führer geschlossen.8)

 

Der letzte Schützenkönig vor Ausbruch des 2. Weltkrieges war Werner Hommen. Kaum waren 1939 die Festlichkeiten der Bruderschaft verrauscht, als der 2. Weltkrieg ausbrach. Viele Schützenbrüder wurden zu den Waffen gerufen.

Fast sechs Jahre dauerte das schreckliche Völkerringen, bei dem der Tod reiche Beute auch bei unseren Schützenbrüdern hielt.

 

Am 28. Februar 1948 wurde der St.-Antonius-Bruderschaft Niederkrüchten die Zugehörigkeit zum Diozesanverband vom hl-Sebastianus im Bistum Aachen aufs Neue bestätigt. 26)

 

Pfingstmontag 1949 war der erste Vogelschuß der Nachkriegszeit. Wegen des Schußwaffenverbotes der Besatzungsbehörde wurde der Vogel mit der Armbrust geschossen. Gustav Götzen errang damals die Königswürde. Die große Beteiligung von Alt und Jung bei den darauf folgenden Prunkfeierlichkeiten ließ ein frohes Wiedere wachen des Schützenlebens erhoffen.27)


Fahnenweihe 1950

 

Im Jahre 1950 wurde wiederum eine neue Fahne geweiht, die aus den Spenden der Mitglieder finanziert wurde. Von diesem Zeitpunkt an war im Schützenleben Niederkrüchtens ein stetiger Aufschwung zu verzeichnen, der aber Ende der 50er Jahre durch das rasche Ansteigen des Straßenverkehrs eine jähe Unterbrechung erfuhr. 27) Gerhard Vievers erhielt, von der Bundesführung 1950 den silbernen Bruderschaftsorden für 25jahnge Tätigkeit als Schützenmajor.

 

25) Archivunterlagen in Verwahrung: Willy Randerath sen.
26) Siehe Schreiben des Diözesanverbandes vom 28. 2. 19 48 ? 81
27) Festschrift der Schützenbruderschaft vom hl. Antonius Eremyt 1966 (ohne Seitenangaben)

 

Die St.-Antonius-Schützenbruderschaft

unter Präses

Heinrich Moortz

 

   Mit dem Amtsantritt von Präses Heinrich Moortz (1951 bis 1967) war dem Antrag der Bruderschaft auf Eintragung in das Vereinsregister endgültig stattgegeben.28)29) 1951 wurde der Schützenbruderschaft das ?Anno Sancto Kreuz" verliehen, nachdem der Schützenbruder Theo Nellen als Voraussetzung für die Verleihung dieses Ordens einen Pilgerzug nach Rom anläßlich des hl. Jahres unternommen hatte.

   Im gleichen Jahr wurde am 21. Januar eine neue Reiterstandarte für die 14 ?berittenen Offiziere" der Bruderschaft angeschafft. Am 16. Juli 1951 wurde die Standarte von Präsident Werner Hommen an Marschall Wilhelm Randerath, dem ältesten Mitglied der Reitergruppe, übergeben. Die Reiterstandarte zeigt auf der Vorderseite das gleiche Bild wie die Schützenfahne. Auf der Rückseite ist auf gelbem Grund das Pfeilkreuz der St.-Sebastianus-Ehrenbruderschaft mit der Umschrift: Reiterzug der St.-Antonius-Schützenbruderschaft Niederkrüchten 1430 bis 1950. Die Spitze der Standarte zeigt in Messing getrieben das Reiterbild des hl. Georg.

   1955 feierte die St.-Antonius-Schützenbruderschaft das 525jährige Bestehen. Umrahm vom Niederkrüchtener Streichorchester, dem Niederkrüchtener Trommlerkorps und dem Kirchenchor St. Bartholomäus beteiligten sich die gesamte Lehrerschaft mit den Schulkindern und die gesamte Bevölkerung an den Prunkfeierlichkeiten.8)

   Auf Anregung der St.-Antonius-Bruderschaft wurde 1957 das Kriegerdenkmal auf dem gemeindeeigenen Friedhof in Zusammenarbeit mit der Zivilgemeinde errichtet.8) Seit 1958 wurde nach Beschluß der Generalversammlung der Vogelschuß nicht mehr Pfingstmontag, sondern am Kirmesdienstag durchgeführt.

   1960 fanden die Prunkfeierlichkeiten erstmals in der neuen Schwalmtalhalle statt.8) Da aber die ?Prunk" nicht den gewünschten Erfolg erzielte, beschlossen die Mitglieder der St.-Antonius-Bruderschaft, den Vogelschuß erneut zu verlegen. Um auch der Niederkrüchtener Spätkirmes mehr Attraktion zu verleihen, wurde der Vogel seit 1960 dienstags zur Spätkirmes geschossen.

   1961 hatte die Bruderschaft wieder einmal einen Jubelkönig. Wilhelm Randerath hatte, wie bereits vor 50 Jahren, den Vogel abgeschossen.8)

   Während des Geschäftsjahres 1961/62 wurde für Niederkrüchten der Bezirk IV der Bruderschaften unter dem Bezirksvorsitzenden Werner Hommen neu gegründet. Hierzu gehörten folgende Schützenbruderschaften: 1. Silverbeek, Varbrook, Ryth, Blonderath, 2. Brempt, 3. Gützenrath, 4. Laar, 5. Heyen, 6. Dam, Birth, 7. Elmpt, 8. Overhetfeld, 9. Merbeck, 10. Oberkrüchten, 11. Niederkrüchten.

   Das Geschäftsjahr 1962 verlief für unsere Bruderschaft ziemlich ruhig und ohne größere Ereignisse. 1964 rühmt der Chronist den stattlichen Schützenzug, dem zwei Reiter in der Uniform der ?Schwarzen Husaren" voranritten. Ein schöner Grenadierzug unter der Führung des Jägerhauptmanns Norbert Scheerers und ein zackiger Marinezug mit dem Kapitän Willi Slabbers gaben dem Schützenzug das besondere Gepräge. Im gleichen Jahr erhielt der langjährige Präsident der St.-Antonius-Schützenbruderschaft Werner Hommen aus der Hand des Präses Dechant Moortz die höchste Auszeichnung der Schützenbruderschaften, das ?Sebastianus-Ehrenkreuz" mit Urkunde.8)

   Am 21. Februar 1965 wurde dem Präses Heinrich Moortz wegen seiner Verdienste um die Bruderschaft die höchste Auszeichnung des Zentralverbandes, das ?Sebastianus-Ehrenkreuz mit Schulterband und Stern" verliehen.

   Auf der Herbstversammlung am 14. November 1965 beschlossen die Schützenbrüder, den Vogelschuß 1966 auf Ostermontag zu verlegen.8)

   Eine große Zahl von Jubilaren hatte die St.-Antonius-Schützenbruderschaft Niederkrüchten zu ehren, als sie im Juni 1966 das Schützenfest und gleichzeitig das Bezirksschützenfest der nördlichen Pfarreien des Kreises Erkelenz eröffnete. Geehrt wurde Dechant Moortz als Präses der Bruderschaft zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum. Dechant Moortz erhielt die ?Königinnenkette des Zentralverbandes in Silber". Außerdem erhielt Dechant Moortz das Präsesabzeichen der Bruderschaft in Gold, Kaplan van Bergen das Ehrenzeichen in Silber.

   Mehr als 14 Mitglieder der Bruderschaft wurden für über 50jährige Zugehörigkeit zur Bruderschaft geehrt, wobei Heinrich Goertz als Senior der Bruderschaft seit 70 Jahren angehört, Heinrich Schruff 60 Jahre und Wilhelm Randerath 50 Jahre. Mit ihnen erhielten Willy Randerath und Peter Heutz den ?Hohen Bruderschaftsorden". Paul Müllers und Willi Winkens erhielten das ?Silberne Verdienstkreuz". Werner Hommen wurde zum Ehrenvorsitzenden der St.-Antonius-Bruderschaft ernannt.


Fahnenweihe 1966

   Während des Hochamtes segnete Präses Moortz die neue Bruderschaftsfahne, die während des Festzuges durch Bürgermeister Johann van Horrick offiziell enthüllt wurde.

28) Die für das Vereinsregister verbindlichen Statuten sind auch heute noch Grundlage des Vereins (siehe Anlage Nr. 09)
29) Amtsgericht Wegberg, Vereinsregister Nr. 22, Urkunde vom 15. Juni 1951

 

Die St.-Antonius-Schützenbruderschaft

unter Präses

Josef van Sloun

 

   Anfang der 60er Jahre zeichnete sich eine gewisse Vereinsmüdigkeit an den Prunkfeierlichkeiten ab. Dies änderte sich nicht wesentlich zum Ende des Jahrzehnts, als Pfarrer van Sloun (1967 bis 1974) Präses der Bruderschaft wurde. Hatte man von 1951 bis 1959 versucht, mit einem eigenen Ausschank im Festzelt die allgemeine Stimmung und Begeisterung zu steigern, so brachte auch die 1959 neuerrichtete Schwalmtalhalle für die Prunkfeierlichkeiten der Bruderschaft keinen nennenswerten Auftrieb.

   Gründe für den spürbaren Rückgang der Bruderschaft waren mit Sicherheit die allgemeine Verbreitung des Fernsehens, die hohen behördlichen Auflagen bei den Umzügen, die anfallenden Kosten für den Schützenkönig, die geringe Integration der seit 1960 immer größer werdenden Zahl der Neubürger und der Jungschützen.

   Erst ein allmähliches Umdenken ließ dann seit 1969 den alten Bruderschaftsgeist wieder aufleben. Statt in der Schwalmtalhalle feierte man die Prunk wieder im Festzeit und überließ den Ausschank den Gewerbetreibenden. Neubürger und Jungschützen wurden voll in die Reihen der Schützenbrüder integriert. Seitdem zählen die ?Schwarzen Husaren", die ?Schwarzen", der ?Marinezug", der ?Jägerzug", der ?Pikkelhaubenzug", der ?Schlüffkeszug" und das königliche Gefolge zum gewohnten Bild der Umzüge an den Kirmestagen. Das Gedränge beim Vogelschuß zur Erringung der Königswürde war noch nie so groß wie in den letzten Jahren.

   Am 21. Juni 1971 wurde dem Schützenmajor Lothar Kühn das ?Silberne Verdienstkreuz" verliehen. Der Bezirksbrudermeister Werner Hommen erhielt zu dem ?St.-Sebastianus-Ehrenkreuz" das ?Schulterband mit Stern".

 

Die St.-Antonius-Schützenbruderschaft unter Präses Johannes Thelen

 

   Seit dem Amtsantritt von Präses Pfarrer Johannes Theien (seit 1974) hat sich die bereits unter seinem Vorgänger abzeichnende Wiederbelebung des Bruderschaftsgedankens zu einer derzeit kaum zu überbietenden Begeisterung gesteigert.30)

   Die seit langem erhobene Forderung nach einem Jungschützenkönig wurde auf der Generalversammlung am 1. Dezember 1974 einstimmig beschlossen. Erster Jungschützenkönig 1975 wurde Amberg Michael jr.

   Am 16. Mai 1976 beschloß die Mitgliederversammlung der St.-Antonius-Bruderschaft, den Vogelschuß auf den Kirmesmontag zu verlegen, und zwar unmittelbar nach der Parade. Die Königswürde wird dann am Sebastianustag des folgenden Jahres offiziell verliehen!

   Erstmals wurden 1977 am St.-Sebastianus-Tag der Schützen- und Jungschützenkönig von 1976 verabschiedet und anschließend die Majestäten 1977, König Manfred Jülicher und Jungschützenkönig Norbert Wilms mit Gefolge, von Präses Johannes Thelen ernannt.

   Am 14. November 1977 wählten die Brudermeister Willy Randerath zum Vorsitzenden und Josef Bonseis zum stellvertretenden Vorsitzenden der St.-Antonius-Schützenbruderschaft.

   Es ist der persönlichen Initiative des Präses Johannes Thelen zu verdanken, daß sich die sieben zur Pfarre Niederkrüchten gehörenden Bruderschaften vertraglich 31) auf feste Termine für die Prunkfeierlichkeiten einigten. Daß es in der Pfarre Niederkrüchten sieben Bruderschaften gibt, ist im Bistum Aachen einmalig.

   1980 feiert die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft das 550jährige Bestehen. An dieser Stelle soll allen, die sich in irgendeiner Form am Gelingen der Prunkfeierlichkeiten beteiligten, den Kauf der neuen Fahne durch eine Spende ermöglicht und die Herausgabe der Festschrift unterstützt haben, herzlich gedankt sein. Der Dank der Bruderschaft gilt vor allem den Gewerbetreibenden, die in großzügiger Form immer wieder die Arbeit in den Vereinen finanziell unterstützen.

   Dem Schützenkönig 1980 - Peter Beckers - wünschen wir Glück und hoffen mit ihm auf eine großartige Prunk in der Art der letzten Jahre.

Niederkrüchten, den 21. Juni 1980

30) Siehe Anlage Nr. 12
31) Siehe Anlage Nr. 10